Chronik Erzählungen

Paul Larcher erzählt

Wie es seine Art ist, kommt Paul gleich zur Sache und erzählt einige Anekdoten aus seinem langen Musikantenleben.
Paul Larcher (links), Archiv-Foto
Paul Larcher (links), Archiv-Foto

Seine Instrumente waren das Horn und später das Tenorhorn bzw. Bassflügelhorn. Er war lange Zeit Kassier und Obmannstellvertreter. Die Ehrenurkunde ist von Obmann Helmut Happ und Kapellmeister Siegfried Köll unterschrieben. 

Den Anfang nach dem Krieg hat Karl Spielmann in der ersten Ausgabe des Musigblattl’s schon beschrieben. Wir probten in der Schmitte und waren mit Feuereifer bei der Sache. Fritz Fischer brachte uns vieles bei, so daß wir bald schon musikalische Erfolge nicht nur in unserer Gemeinde erspielen konnten. Beim Peter und Paul Umzug in Wildermieming zum Beispiel, da spielten wir lange Zeit die Prozession und den Frühschoppen.

Später spielten wir unter anderem den „Nachtschwärmer“, ein Hornsolo, das Herbert Maurer und ich spielten. Zu den Stützen der MK Mieming zählten damals: Franz Frauenhofen als ehemaliger Militärmusiker, der Knecht vom „Mininger“, den Namen weiß ich nicht mehr, Konrad’n (Scharmer) Johann mit dem Baß, Holzeis Toni, der die Trommelstecken hat fliegen lassen (!), Danielen (Scharmer) Robert mit dem Baß und viele andere Musikanten, die mit Leib und Seele dabei waren.

Ich ergänze die Ausführungen von Karl Spielmann mit einigen Anekdoten. Anläßlich der Trachtenweihe – Die MK bekam in den Jahren 1951 und 1952 die neue Tracht, die auch heute noch getragen wird – machte man einen Ausflug zu den Königschlössern. Nach der Rückkehr nach Mieming fehlte der Kapellmeister Fritz Fischer und seine spätere Frau Martha Schöpf, man hatte die beiden einfach in Ehrwald vergessen. Jeder hat geglaubt, daß die beiden im jeweils anderen Auto mitgenommen würden …

Ein Ausflug ins Zillertal. Damals fuhr man mit dem Lastwagen. Alle Fahrgäste saßen auf der Ladefläche und hatten viel frische Luft. Auf dem Rückweg machte man in Innsbruck halt, da war ja ein Vergnügungspark. Alle hatten viel Spaß, besonders ein namentlich bekannter Musikant, der anscheinend nach einigen Gläschen viel Freude auf einem Karussellpferd hatten, so sehr, daß er von den Kameraden zum Fahrzeug getragen werden mußte. Anscheinend sei er kreidebleich gewesen.

Beim Katholikentag in Wien hat sich der Lukasser Kasper, als er den Bundespräsident Theodor Körner auf der Tribüne gesehen hat, vorgenommen: „Zu dem gehe ich jetzt hinauf und gebe ihm eine Brise von meinem Schnupftabak!“ Gesagt getan, er ging hinauf und Theodor Körner war sehr erfreut über die „Tiroler Brise“ vom Lukasser Kasper. Im Flexenpaßtunnel, bei einem anderen Ausflug der MK Mieming, mußte vom LKW die Plane heruntergenommen werden, sonst wäre man nicht mehr durchgekommen.

Im Jahre 1948 holten der Oberländer Franz (Franz Weber aus Obermieming) und ich vom Brenner Wein. Damals war das nicht so einfach, aber der Franz hat gesagt, ich soll ihn nur machen lassen. Alles ging gut. Nach dem Nervenkitzel an der Grenze wollte die Steffi Krabacher einen Glühwein machen. Sie erwischte einen verzinkten Dämpfer … Der Wein war umsonst geholt worden.
Beim Neuwirt hatte man einmal Hertas Bett versteckt. Das war eine geplante Aktion. Einige Musikanten mußten mit der Neuwirtin Karten spielen, dabei soll sie weder ein Auge nach ein Ohr für ihre Umgebung gehabt haben, so fanatisch war sie. Franz Weber hat nach erfolgter Tat den Rückzug übers Dach angetreten und ist mit seiner Lederhose auf der Dachrinne hängengeblieben. Man hat ihn aus seiner Lage befreien müssen, da er selber nicht mehr dazu imstande war.

Bei einem Waldfest in Obsteig haben wir „Sagen aus Alt-Innsbruck“ gespielt. Ich habe meinen Einsatz verpaßt. Der Kapellmeister Fritz Fischer winkte kurzerhand ab und wir begannen noch einmal von vorne. Das war so perfekt gemacht, daß der Großteil der Beuscher es nicht einmal merkte, daß etwas schief gegangen war.

Beim Silvesterblasen in Barwies kam die Partie hinters Lachen. Völlig aufgelöst präsentierte sie sich vor einem Haus und konnte nicht mehr spielen, nur mehr schallendes Gelächter. Die Hausfrau soll auf den Knien mit erhobenen Händen gebeten haben: „Bitte nur ein paar Töne!“ Aber das ging nicht. Bei einem großen Blasmusikfest in Schwaz begegnete uns auf der „Gegenfahrbahn“ eine spielende Kapelle. Fritz Fischer ging sofort zur großen Trommel und schlug diese so laut er konnte. Dadurch konnten wir unseren Schritt beibehalten, das Spiel der Kapelle von der anderen Straßenseite hat uns nicht drausgebracht.

Bei einem Waldfest in Obermeiming spielten auf Vermittlung von Fritz Fischer die Fidelen Inntaler. Das war schon eine klein Sensation. Andrä Plattner, Klaus Scharmer, Josef Sonnweber waren geschlossen der Meinung, daß sie heute nicht mehr nach Hause gehen wollten, weil es einfach so schön war. Und das haben sie sehr ernst gemeint.

Eines der eindrucksvollsten Erlebnisse war für mich das Konzert in Mühlheim in Deutschland. Die Noten waren irrtümlich im Bus liegengeblieben. Man hat sie uns nachgeliefert, so daß wir doch noch unser Konzert spielen konnten. Keiner war nervös, alle hatten durch die anstrengenden Tage einen guten Ansatz. Immerhin hatten wir 2 Stunden am Tag gespielt. Das war auch ein Grund für dieses Superkonzert, das ich nie vergessen werde.

Heute sind die Ausbildungsmöglichkeiten ja viel besser und professioneller. Es gibt viele gute Kapellen mit hohen Anforderungen an ihre Musikanten. Bewindernswert ist die Leistung der Jugend auf diesem Gebiet. Es ist eine Freude, den jungen Leuten zuzuhören, was sie schon in jungen Jahren können, so wie es beim Frühjahrskonzert wieder der Fall war. Es muß einfach die Mischung stimmen, die älteren Musikanten nehmen die Jungen mit und wenn alle zusammenhalten ergibt das zwangsläufig ein gutes Ergebnis. Dazu braucht es einfach eine gute Kameradschaft und die sehe ich bei der Musikkapelle Mieming.

Die Kritiker der jungen Leute sollen sich einmal anschauen, was hier geleistet wird und was die Jungen leisten und sich ein Beispiel nehmen. Die Basis eines Vereines ist und bleibt eine gute Kameradschaft, sonst sind gute Leistungen zwar kurzfristig möglich, auf Dauer hat das aber noch nie gehalten. Die Kameradschaft ist einfach die Grundlage für ein lebendiges Miteinander im Verein und in der Gemeinde.

† Am 23. November 2016 wurde unser Ehrenmitglied Paul Larcher für immer von dieser Welt abberufen. Die Musikkapelle Mieming wird die Erinnerung an ihn wachhalten.

→ Auszug aus dem „Musigblattl“, Ausgabe 3, 1998

Über die Autorin/den Autor

Andreas Fischer

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