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Karl Dietrich erzählt

Karl Dietrich
Karl Dietrich

Johann Thaler, der ein Jahr Kapellmeister war, ist bei mir immer zugekehrt und hat mir aufgetragen, eine weitere Zeile des „Olympiade-Marsches“ zu lernen. Beim nächsten Besuch hat er mich dann immer geprüft. Ich war sehr interessiert an der Blasmusik und bin immer bei den Proben im Schießstand (vis-á-vis vom Anwesen Thaler in Obermieming), der ja heute nicht mehr steht, dabeigewesen. Das war in den Jahren 1928/29.

Dadurch, dass ich mit 13 Jahren schon Zither spielte, beim Chor dabei war und die Noten perfekt beherrscht habe, war es für mich kein großes Problem, ein Blasinstrument zu lernen. Ich habe jahrelang immer das Mundstück in der Hosentasche mitgehabt, wenn ich auf das Feld gefahren bin, und habe meine Übungen gemacht und den Ansatz verbessert. Das hat mir sehr geholfen. 1929 war ich zum 1. Mal beim Silvesterblas’n dabei. Damals war ich zum „Zünd’n“ eingeteilt. „Zünd’n“ war leuchten, damit die Musikanten die Noten gesehen haben.

Ich kann mich erinnern, wie an dem Tag spät am Abend der Lukasser Kasper unseren Kapellmeister Johann Thaler mit dem Ochsenfuhrwerk nach Hause geführt hat, weil er halt zuviel getrunken hatte. Bei der Musikkapelle haben wir die Instrumente zu Neujahr ausgefasst. Das Baßflügelhornregister war besetzt mit Josef Wett, Gides Klaus, Josef Kraxner und meiner Person.

Am Ostermontag spielte ich Begleitung, bei der Fronleichnamsprozession durfte ich bereits Melodie spielen. Die Musikkapelle spielte zu Silvester, bei Umgängen, Gartenfesten und Platzkonzerten.

Auch an das traditionelle Namenstagsständchen für den Bürgermeister Kluibenschädl (Dismas – Anm.) kann ich mich noch erinnern. Ich habe bei der Tanzmusik mitgespielt. Wir waren mit der Theatergesellschaft unterwegs und haben bei den Aufführungen die musikalische Umrahmung gemacht, in Tarrenz, in Silz, in Obsteig, in Mieming. Auch bei der Einweihung des alten Schwimmbades in Barwies 1929 haben wir mit der „Wilden Bande“ gespielt.

1935 habe ich die Musikkapelle als Kapellmeister übernommen. Die Hauptarbeit war das Transponieren und Schreiben von Noten vom Bass in den Violinschlüsseln für die Bässe und das Transponieren von Bb nach Eb für die Trompeten. Die Reparatur der Blasinstrumente habe ich dem Probst übergeben, weil der Tutz in Innsbruck zu teuer war. Der Probst war Spengler und hat alles in Eigenregie repariert.

Ich kann mich an einige Begebenheiten in den 30er Jahren erinnern. Wir haben eine 3-Pässe-Fahrt gemacht. Es ging über den Arlberg-, Flexen-, und Fernpass. Wir waren mit dem Lastauto gefahren, Chauffeure waren Plattner Pepi und Plattner Siegfried. Nach einigen Kilometern gemächlicher Fahrt kamen die Musikanten auf die Idee, den Pepi und den Siegfried zu fragen, ob sie da unten einschliefen, weil es so langsam gehe. Das Lastauto wurde schneller und schneller, eine Schnellbremsung bewirkte, dass die Musikanten auf der Ladefläche auf die vor ihnen abgelegten Instrumente stürzten und einen Blechsalat hinterließen. Eine Absicht wurden den Lenkern Siegfried und Pepi zwar nachgesagt, konnte aber nie eindeutig nachgewiesen werden (?).

In der Nähe von Reutte sollten wir spielen. „Was spielen wir jetzt?“ – „Den Neuen“ (Ein neuer Marsch war damals immer ein Zeichen von Fleiß, Können und Fortschritt – Anm.). Der „Neue“ war natürlich ein Marsch, den wir schon lange im Programm hatten, nämlich „Frisch auf“, einer der wenigen Märsche, wenn nicht der einzige, den wir wirklich spielen konnten. Den Toni Holzeis hat eine Biene gestochen, weil er immer Würfelzucker genascht hat. Wir haben nicht mehr spielen können vor Lachen, weil er so ein verzogenes Gesicht gehabt hat.

Oder: Musikprobe. Wir probten intensiv ein relativ schweres Stück. Mitten im 2. Teil war eine Generalpause. Als der Kapellmeister das Zeichen dazu gab, hat Johann Scharmer in dieser Generalpause ein eindeutiges Geräusch von sich gegeben (böse Zungen behaupten, dass Konrad’n Johann dies genau geplant hätte). Die Probe war damit gelaufen – großes und andauerndes Gelächter. Der Abend wurde beim Stieglwirt beendet.

Nach dem Krieg war mein persönlicher Höhepunkt die Aufführung des Stückes „Der Teddybär“, wo ich das Solo gespielt habe. Später habe ich nur mehr Tanzmusik gemacht. Heute genieße ich nach wie vor die Blasmusik und bin gerne bei den Konzerten dabei.

(Anmerkung der Redaktion: Karl Dietrich ging für immer von uns, am 17. Juni 2004. Karl wurde 91 Jahre alt.)

→ Musigblattl, Ausgabe 2, Dezember 1997

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